Don Bosco und Menschenrechte

Obwohl Artikel 1 der UN-Menschenrechtscharta so klar formuliert ist, ist die Praxis weit komplizierter. Regierungen, Bürgerrechtsbewegungen, kirchliche Organisationen und Gerichte streiten seit ihrer Deklaration um die Auslegung der einzelnen Grundrechte. Was in Deutschland selbstverständlich scheint, stößt in anderen Ländern auf kulturelle und politische Widerstände. Doch auch hierzulande haben die Diskussionen um das Folterverbot gezeigt, dass die UN-Menschenrechtscharta keine einfache Blaupause ist. Sie braucht engagierte Mitbürger, die sich für die Würde und den Schutz der Menschen einsetzen. Obwohl Don Bosco die UN-Menschenrechtscharta nicht kennen konnte, da er 100 Jahre zuvor wirkte, gibt es zwischen seiner Lebens- und Erziehungsphilosophie und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte viele Gemeinsamkeiten. Im Turin des 19. Jahrhunderts war es um die Menschenwürde nicht gut bestellt. Arbeiter lebten wie Sklaven, Kinder waren Eigentum ihrer Eltern oder skrupelloser Fabrikbesitzer, ganz zu schweigen von Frauenrechten, von denen man noch meilenweit entfernt war. Von Beginn seines erzieherischen Wirkens an setzte Don Bosco diese gängigen Muster außer Kraft und stellte die Würde der Jugendlichen ins Zentrum seines Tuns.




gem. Art. 1: Wir alle sind von Geburt an frei und gleich an Rechten. Wir alle sind frei geboren. Alle Menschen sind mit Vernuft und Gewissen begabt.

Erziehung zu Menschenrechten

Don Bosco sah in einer Zeit voller politischer und sozialer Umbrüche die Lösung in Erziehung und Bildung. Seine „Präventiv-Pädagogik“ ist mehr denn je ein Schlüssel für die Verwirklichung von Kinder- und Menschenrechten weltweit. Erziehung und Bildung im Sinne Don Boscos bewirkt dies auf zweifache Weise. Zum einen befreit sie Jungen und Mädchen aus Lebensumständen, die sie in ihrem Recht auf Entfaltung behindern. Don Bosco ging es aber um mehr. Die jungen Menschen sind nicht das passive Objekt unserer Nächstenliebe, sondern werden selbst zum Motor ihrer Entwicklung. Sie sollen befähigt werden, ihr Leben aktiv zu meistern und als verantwortungsvolle Bürger ihr Lebensumfeld mit zu gestalten. So bewirkt Bildung auch Veränderung in der Gesellschaft. Uns Salesianern Don Boscos begegnen weltweit sehr unterschiedliche Herausforderungen, diese gelebte Anwaltschaft zu realisieren. Denn oft sind es Kinder und Jugendliche, die unter bestehenden Missständen am meisten leiden. Kindersoldaten müssen die Bürgerkriege um Diamanten und Öl ausfechten, Kinderprostituierte die Armut der Familie abfangen und Kinderarbeiter die Wirtschaft maroder Entwicklungsländer ankurbeln. Hier reagieren die Don Bosco Projekte mit Brückenschulen, Sozialprogrammen und Bildungsinitiativen. Jugend liche hingegen reagieren oftmals mit Wut und Gewalt auf Probleme und Missstände. Auch in diesen Situationen sollten die Salesianer ihnen „ein Freund“ sein, wie Don Bosco es formulierte. Unsere globalisierte, multikulturelle und sich wandelnde Welt ist dabei eine besondere Herausforderung. Wir wollen Kindern und Jugendlichen Wege aufzeigen, wie man in dieser sich ständig verändernden Welt bewusst und verantwortungsvoll lebt.

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Menschenrechtsarbeit braucht langen Atem



Die Schwierigkeit, Menschenrechte einzufordern und zu wahren, wurde mir neulich bewusst, als ich mit Jugendlichen in Köln über Menschenrechtsverletzungen sprechen wollte. Ich hatte Probleme, den abstrakten Begriff in ihre Lebenswelt zu übersetzen. Erst als ich Ihnen praktische Beispiele schilderte von Mädchen und Jungen, die nicht zur Schule gehen können, von Frauen, die nicht wählen dürfen oder Menschen, die wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit gedemütigt werden, begriffen sie die zentrale Bedeutung der Menschenrechte für unser Leben.

Die größte Gefahr für die Menschenrechte ist unsere Gleichgültigkeit.

Mir scheint es, als wollen wir nicht wahrhaben, dass wir alle in einer gemeinsamen Welt leben und jeder Erdbewohner für unsere Zukunft Verantwortung trägt. Die täglichen Verletzungen von Kinder-und Menschenrechten machen es notwendig, dass wir uns als Salesianer Don Boscos diesem Thema besonders annehmen. Wir haben in aller Welt Initiativen gestartet, die Kinder für ihre Rechte sensibilisieren. Das vorliegende Heft zeigt ihnen einige dieser Beispiele. Auch in Deutschland dürfen wir nicht vergessen, dass jedes Kind ein Recht auf eine liebevolle und gewaltfreie Erziehung hat. Denn Kinder und Jugendliche bedürfen unseres Schutzes, egal wo. Wir verstehen uns dabei als ihre Anwälte- und erfüllen so den Auftrag unseres Ordensgründers Johannes Bosco. Mich ermutigt, dass wir diesen Weg nicht alleine gehen, sondern von Ihnen Unterstützung und Zuspruch erfahren. Ich hoffe sehr, dass wir von Don Bosco Mission mit Ihnen gemeinsam den jungen Menschen weltweit und bei uns hier in Deutschland vermitteln können, wie wichtig persönliches Engagement zur Verwirklichung der Menschenrechte ist. Wir freuen uns, wenn sie mit einem wachen und offenen Herzen ihre Welt gestalten lernen. In Verbundenheit

Br. Jean Paul Muller SDB

Leiter von Don Bosco Mission

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Menschenrecht auf Meinungsfreiheit



In Brasilien versorgt ein Don Bosco Radiosender Landarbeiter mit Nachrichten. Dabei gehen die Salesianer oft auf Distanz zum Mainstream. Mehr

Menschenrechte – ein wichtiger Auftrag der Kirche



Copyright A. Mesli
"Indem wir uns mit dem Thema Menschenrechte auseinandersetzen, nähern wir uns Don Bosco und seiner gelebten Anwaltschaft für junge Menschen.


Den Kinder- und Menschenrechten widmen die Salesianer im 150. Jahr ihres Bestehens besondere Aufmerksamkeit. In Rom trafen sich über 300 Vertreter aus allen Ländern, um zu überdenken, welche Rolle ihnen als Erziehern bei der Verwirklichung der Menschenrechte zukommt. Unterstützung bekommen sie dabei von Papst Benedikt XVI. „Ich bin erfreut, die Teilnehmer des Internationalen Kongresses über das Don Bosco Präventivsystem und Menschenrechte zu grüßen, der von den Salesianern organisiert wird. Dies ist ein sehr wichtiges Thema, weil die Frage der Erziehung zwingend im Kontext der Menschenrechte steht.“ In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung 2008 betonte der Papst, die Menschenrechte seien der Schlüssel zu den meisten Problemen unserer Zeit. Er sieht die Menschenwürde und die Menschenrechte als die entscheidenden Fragen menschlichen Zusammenlebens. In diesem Punkt berührten sich die Lehre der Kirche und die zeitgenössische Gesellschaft.

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Mehr zum Thema Menschenrechte:

www.donbosco-humanrights.org

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Recht auf Erholung und Freizeit



Ausruhen und Zeit für Spiele. Besonders Kinder und Jugendliche brauchen den Ausgleich nach Schule und Ausbildung. Don Bosco Jugendzentren bieten dafür Räume...  

Menschenrecht auf Asyl



Unterstützung für irakische Flüchtlingskinder in der Türkei.

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Hier können sie die 30 Artikel der Menschenrechtserklärung lesen.