22.07.2010 - Straßenkinder in Osteuropa besonders schlimm von HIV/AIDS betroffen
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Laut einer aktuellen UNICEF-Studie, die anlässlich der internationalen AIDS-Konferenz in Wien veröffentlicht wurde, sind besonders Straßenkinder in Osteuropa von HIV/AIDS betroffen. Während in allen anderen Erdteilen Erfolge im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit zu verzeichnen sind, steigt die Rate der Neuinfektionen in Osteuropa weiter an - insbesondere bei Kinder und Jugendlichen.
Die Studie nennt erschreckende Zahlen: So sind nach neuesten Untersuchungen 40% der Straßenkinder in St. Petersburg HIV-positiv. 80% der Infizierten in Osteuropa sind jünger als 30 Jahre, der Anteil der Neuinfektionen bei Frauen stieg seit 2005 von 25 auf 40%. In der Ukraine prosituieren sich 56,7% der auf der Straße lebenden Mädchen und sind daher einem erhöten Risiko ausgesetzt, sich mit HIV/AIDS anzustecken.
"Heranwachsende, die ihr ganzes Leben im Heim verbracht haben und nicht auf ein normales Leben vorbereitet wurden, sowie Straßenkinder, minderjährige Prostituierte und Drogenabhängige, die oft schon im Jugendalter ihre Hoffnungslosigkeit mit der Spritze betäuben" sind laut Christian Schneider, dem Geschäftsführer von UNICEF Deuschland, am meisten von HIV/AIDS bedroht. In der Region Osteuropa leben nach Schätzungen rund 1 Millionen Straßenkinder. Sie sind aus Heimen oder von ihren akoholsüchtigen, gewalttätigen Eltern davongelaufen. Doch auf der Straße erwatet sie kein besseres Leben, sie schlafen in Hauseingängen, schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch und versuchen ihre Situation erträglicher zu machen, indem sie sich mit Drogen betäuben.
Doch genau hier liegt die Gefahr: Die Ansteckung mit HIV/AIDS erfolgt häufig beim intravenösen Drogenkonsum, also beispielsweise beim Spritzen von Heroin. Suchtprävention und AIDS-Bekämpfung liegen daher nah beieinander. Doch auch die sexuelle Übertragung nimmt weiter zu, besonders Straßenmädchen, die sich mit Prostitution über Wasser halten, sind gefährdet. Aufklärung ist deshalb um so dringender.
Aber das Thema HIV/AIDS wird in den meisten osteuropäischen Ländern tabuisiert. So meldete beispielsweise Turkmenistan 2008 offiziell nur zwei Fälle von HIV-Infektionen - obwohl die Epidemie das land längst erfasst hat. Infizierte werden stigmatisiert, sie werden beschimpft statt unterstützt. Dies verhindert eine offene Debatte und hindert Betroffene daran, Hilfe zu suchen. So trauen sich z.B. viele infizierte Schwangere nicht, sich an einen Arzt zu wenden um eine Ansteckung ihres Kindes zu verhindern. Laut UNICEF landen dann sechs von zehn Neugeborenen infizierter Mütter im Heim. In den überfüllten Heimen jedoch lernen die Kinder nie ein normales Leben kennen, der Weg auf die Straße scheint vorprogrammiert zu sein. Ein Teufelskreis. Die Situation in Osteuropa ist äusserst bedenklich.
Um so wichtiger, dass die Situation in der Region nun Hauptthema der internationalen AIDS-Konferenz ist, die derzeit in Wien stattfindet. Doch noch dringender wäre es, dass die Regierungen der betroffenen Staaten endlich handeln.
Quellen: www.unicef.org, www.renovabis.de, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 18.07.2010
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